Kreta hat seinen besonderen Sound. Und eine sehr lebendige Tradition. Ich habe rumgeklickt und konnte mich gar nicht recht entscheiden, was von den Schätzen ich euch servieren soll. Hier eine bescheidene Auswahl. Alles in der traditionellen Instrumentierung mit Lyra (kretische Kniegeige), Laouto (Laute), bisweilen ergänzt durch Gitarre, Baß, Trommel oder Keyboard.

  1. Giorgos Zervakis / ΓΙΩΡΓΟΣ ΖΕΡΒΑΚΗΣ
    Er ist Musiker, Sänger, Komponist und einer von den Jüngeren, die der Tradition bisweilen einen etwas modernen Sound geben. Hier ein Lied, das wir schon oft (als Siganos Kritis) betanzt haben, allerdings bislang in der wunderschönen Version von Vangelis Pitharoulis (Βαγγελης Πυθαρουλης – es lohnt sich, auch nach ihm mal rumzuklicken). Zervakis‘ Stimme hat nicht so viel Schmelz wie die von Pitharoulis, aber sein Lyra-Spiel (kretische Kniegeige) ist virtuos und der ganz leichte moderne rhythmische Akzent steht dem Lied gut. Typisch das lange lyrische arhythmische Vorspiel, bevor der gemächliche aber teibende 2/4-Takt einsetzt.
    „Astra, mi me malonete…“ / Άστρα μη με μαλώνετε / Oh ihr Sterne, seid mir nicht böse, dass ich die ganze Nacht singe. Ich habe Liebeskummer…


2. Giorgos Zervakis / ΓΙΩΡΓΟΣ ΖΕΡΒΑΚΗΣ: Mantinades / μαντινάδες
Mantinades (Singular: Mantinada) sind ein ganz typisches Stück Kreta. Es sind gesungene Zweizeiler, die 15 Silben haben müssen und sich reimen. Der Name kommt vom italienischen „matinada“ / Morgenlied und geht zurück bis ins 15. Jahrhundert, als Kreta unter venezianischer Herrschaft stand. Mantinades handeln gern von der Liebe, vorzugsweise natürlich von der unglücklichen, können aber auch satirischen, politischen oder ganz alltäglichen Inhalts sein. Mit Mantinades kann man im Prinzip alles besingen, es kann auch Sprechgesang sein und darf gerne aus dem Moment heraus improvisiert werden, es muss sich nur an die rhythmischen Regeln halten und sich reimen. Mantinades sind sozusagen uralt überlieferter und gleichzeitig aktuell frischer kretischer Rap.
(Auf seiner Internetseite hat Stefan Petersilge einige klassische Mantinada-Verse ins Deutsche übersetzt: http://www.psiloritis.de/MantinadesSeeleText.pdf )

In dem viertelstündigen Video Και οι δυό σε ξένες αγκαλιές (hier hat mein Versuch mit Google Übersetzer leider kein brauchbares Ergebnis gebracht) kann man kretische Partyatmosphäre schnuppern. Anfangs tanzen sie einen Sta tria (den klassischen 3-Teile-Tanz). Später geht die Musik über in etwas, das für mich wie ein Malevisiotikos klingt, sie tanzen aber anders als ich es kenne. Falls jemand erkennt, was genau sie da tanzen, freue ich mich über eine Nachricht.


3. Und jetzt noch einer von den Altmeistern (von denen es auf Kreta eine erkleckliche Anzahl gibt): Manolis Alexakis / Μανώλης Αλεξάκης mit Βασιλικό μυρίζει η γης / Hier duftet es nach Basilikum.
Ein kretischer Tanzmusiker spielt mindestens 2 Lieder hintereinanderweg, wenn nicht mehr, man nimmt sich viel Zeit zum Tanzen, der Tanz muss köcheln und langsam garen, und so ist es echt schwer, kurze Videos zu finden. Dieses hier dauert gut 20 Minuten. Ab etwa der 5. Minute wird getanzt, zunächst ein kretischer Syrtos oder „Haniotikos“, und man hat schön Zeit zu schauen, wie jede/r es ein wenig unterschiedlich tanzt. In der 13. Minute wechselt die Musik zum flotten Malevisiotikos. Da tanzt dann der erste Tänzer bisweilen auch mal ein Solo, während die anderen solange am Platz verharren oder klatschen.

Tanz und Musik auf Kreta